Abschreibung von Musikinstrumenten


Jun 2017

Die Abschreibung ist ein Begriff, der dem Denken der doppelten Buchführung entspringt. Damit die Bücher möglichst präzise den Substanzwert eines Wirtschaftsbetriebes widerspiegeln, sollen die Wirtschaftsgüter nur in dem Maße, in dem sie „verbraucht“ wurden, als Kosten angesetzt werden. Ein Auto kann z.B. mehrere Jahre gefahren werden. Da es nach einem Jahr in der Regel nicht wertlos ist, soll nur der Wertverlust als Kosten angesetzt und das Auto mit seinem Restwert in den Büchern ausgewiesen werden.

Anwendungsbereich

Diese Denkweise hat sich das Steuerecht zu eigen gemacht, da nicht alle Kosten sofort zum Abzug gelangen, was für den Fiskus günstig ist, vgl. § 7 Abs. 1 EStG. Auch für sog. Überschussrechner, die keine Bücher führen, ist die Regelung anzuwenden, § 4 Abs. 3 S. 4 EStG; § 9 Abs. 1 Nr. 7 EStG. Daher müssen auch Freiberufler und Arbeitnehmer die Regeln der Abschreibung beachten.

410 Euro – Grenze

Will ein Musiker sein Instrument steuerlich geltend machen, so muss er sich zunächst mit der Systematik der Abschreibung vertraut machen. Zunächst ist zu beachten, dass lediglich Instrumente, deren Anschaffungs- oder Herstellungskosten über 410,00 EUR lagen, abzuschreiben sind, vgl. § 6 Abs. 2 S. 1 EStG. Unterhalb dieser Grenze können Instrumente steuerlich voll geltend gemacht werden werden.

Beispiel: Die hauptberufliche Blockflötistin Michelle hat sich für 250,00 EUR eine neue Bassflöte gekauft. Diese Flöte kann sie mit dem vollen Betrag steuerlich ansetzen, weil die Anschaffungskosten den Betrag von 410,00 EUR nicht überschreiten.  

Nutzungsdauer

Übersteigen die Anschaffungs-Öder Herstellungskosten den Betrag von 410,00 EUR, müssen die Regeln der Abschreibung angewandt werden. Hierbei ist zu ermitteln wie lange das Instrument genutzt werden kann. Die Nutzungsdauer ist in Monaten zu berechnen. Die im Wirtschaftsjahr angefallene Abschreibung kann als Kosten berücksichtigt werden.

Beispiel: Musiker Filipos Tastertakis kauft sich am 1.7.2017 ein Klavier für 12.000,00 EUR, das über 10 Jahre abgeschrieben werden kann. Die Anschaffungskosten sind durch die Nutzungsdauer von 120 Monaten (10 Jahre x 12 Monate =120 Monate) zu teilen (12.000,00 EUR / 120  Monate = 100,00 EUR). Im Jahr 2017 kann Tastertakis 6 Monate zu je 100,00 EUR = 600,00 EUR abschreiben, weil das Klavier 6 Monate lang genutzt wurde. Im Jahr 2018 kann Tastertakis 12 Monate zu je 100,00 EUR = 1.200,00 EUR abschreiben. Die Abschreibung mindert also die Einkünfte des Tastertakis, was zu einer geringeren Einkommensteuer führt. 

Das Bundesministerium für Finanzen gibt Tabellen heraus, die die Nutzungsdauer von einzelnen Wirtschaftsgüter festlegen. Soweit der Steuerpflichtige sich auf diese Tabellen berufen kann, wird die Abschreibung vom Fiskus nicht in Zweifel gezogen. Die Rechtslage ist aber in Hinblick auf die Nutzungsdauer von Musikinstrumenten unübersichtlich, weil keine speziellen Abschreibungstabellen für Musikinstrumente herausgeben wurden. Immerhin gibt es einige Anhaltspunkte.

Tasteninstrumente

Für Klaviere und Flügel kann auf die Tabelle 92 „Gastgewerbe“ zurückgegriffen werden. Nach dieser Tabelle ist ein Klavier über 10 Jahre und ein Flügel über 15 Jahre abzuschreiben. Diese Werte wurden von der Rechtsprechung bestätigt, vgl. Finanzgericht München, Urteil vom 27.05.2009, 9 K 859/08; offengelassen in BFH, Urteil vom 21.10.1988, VI R 18/86.

Streichinstrumente

Schwieriger ist die Lage für Streichinstrumente zu bewerten. Hier tritt erschwerend hinzu, dass alte Instrumente teilweise bereits mehrere hundert Jahre genutzt wurden und dies auch in der Zukunft zumindest möglich erscheint. Die Nutzungsdauer einer 300 Jahre alte Meistergeige wurde vom BFH auf 100 Jahre geschätzt, vgl. BFH, Urteil vom 26.01.2001, VI R 26/98. Ein 260 Jahre altes Cello kann innerhalb von 50 Jahre abschrieben werden., vgl. Finanzgericht Hamburg, Urteil vom 15.05.1985, III-188/82. Hingegen ist bei einem „normalen“ Cello eines Orchestermusikers eine Nutzungsdauer von 15 Jahren zulässig, vgl. FG Hessen, Urteil vom 24.02.1992, 3 K 901/90.

Auffangwert

Auf Grund der ausgeprägten Vielfalt von Musikinstrumenten wird es wohl kaum für jeden Fall ein Grundsatzurteil, geschweige denn eine Abschreibungstabelle, geben. Grundsätzlich ist mE eine Nutzungsdauer von 10 bis 20 Jahren ein realistischer Rahmen, soweit sonst keine Anhaltspunkte vorliegen. Gerade bei teuren Streichinstrumenten ist es aber ratsam einen Berater hinzuzuziehen, da von der Rechtsprechung, je nach Fall, eine Nutzungsdauer von 15 bis 100 Jahre angewandt wird und das Finanzamt in der Regel geneigt ist eine lange Nutzungsdauer festzusetzen.