Die Umsatzgrenze für Kleinunternehmer


Jan 2017

In der Regel spielt die sog. Kleinunternehmerregelung des § 19 UStG in der Praxis keine große Rolle. Bei geplanten Gründungen mit einem Startkapital wird oft bewusst hierauf verzichtet, um den Vorsteuerabzug zu erlangen. In der Regel ist die Kleinunternehmerschaft ein kurzes Durchgangsstadium in den ersten Jahren nach der Gründung. Wer aber im Bereich der Kreativ- und Kulturwirtschaft kennt, weiß, dass hier alles etwas anders ist.

Schnell habe ich in meiner Beratungspraxis bemerkt, dass die Kleinunternehmerschaft eine wichtige Rolle spielt. Dies hat einen einfachen Grund. Für gewöhnlich stehen finanzielle Motive im Vordergrund einer selbstständigen Tätigkeit. Im kreativen Bereich geht es meist um eine andere Währung. Man möchte bekannt werden, nicht unbedingt reich. Dies führt dazu, dass viele Künstler und Kreative die Kleinunternehmerregelung gezielt nutzen, um in Kombination mit dem Einkommensteuerfreibetrag und der Künstlersozialversicherung ein ausreichendes Fortkommen mit geringer Steuer- bzw. Beitragsbelastung zu haben.

Die Affinität zur Planung der eigenen Finanzen ist in der Branche jedoch eher gering. Dies führt nicht selten dazu, dass die Umsatzmarke von 17.500 EUR des § 19 Abs. 1 UStG überschritten wird und dies erst am Ende des nächsten Jahres bemerkt wird, wenn das Finanzamt ungemütlich wird. Ein anderer Grund ist die oft übersehene Aufteilung der Umsätze auf Monate oder Tage für das erste Gründungsjahr, vgl. § 19 Abs. 3 Satz 3 und 4 UStG.

Beispiel:
Beginnt der Künstler K im Dezember seine Karriere und erwirtschaftet in diesem Monat 2.000,00 EUR, so hat er die Grenze überschritten. Für diese Zeit würde die Grenze 17.500 / 12 = 1.458,34 EUR betragen.

In meiner Beratung stellt sich deshalb oft die Frage: Ist die Umsatzsteuerpflicht noch vermeidbar? Ein Blick in das Gesetz und den Umsatzsteueranwendungserlass ist hier durchaus lohnend. Für den kreativen Bereich ist hier die Regelung des § 19 Abs. 3 Nr. 1 UStG besonders interessant. Diese Norm erlaubt es unter anderem gewisse Umsätze von den erwirtschafteten Umsätzen abzuziehen: nämlich bestimmte Umsätze, die auch für die regulär besteuerten Unternehmer umsatzsteuerfrei wären. Wichtige Ausnahmen sind hier die Nummern 4, Nr. 21, Nr. 22 und Nr. 26 UStG. Diese Regelung beinhaltet eine Umsatzsteuerbefreiung für bestimmte Lehrtätigkeiten, Vorträge bzw. ehrenamtliche Tätigkeiten.

Beispiel:
Künstler K hat viele Einkunftsquellen mit geringen Umsätzen. Kunst verkauft er nur sehr wenig. Er gestaltet vor allem Verkaufsräume und ist für eine kleine private Galerie als Aufsichtskraft tätig. Zudem ist er Lehrbeauftragter an einer Kunsthochschule, für den die Studenten sog. Credits bekommen. Für alle Tätigkeiten stellte er im Jahr 01 Rechnungen über 15.000 EUR, die auch alle bezahlt wurden. Für den Lehrauftrag erhielt er 5.000 EUR.

K hat nicht die Umsatzgrenze des § 19 UStG von 17.500 EUR überschritten. Unter Berücksichtigung des § 19 Ans. 3 Nr. 1 und 4 Nr. 21 UStG ist die Lehrtätigkeit wieder von den Gesamtumsätzen abzuziehen, weil er hier eine umsatzsteuerfreie Lehrtätigkeit ausgeübt hat. In Hinblick auf die Kleinunternehmergrenze bleibt es also bei einem Umsatz von 17.500 EUR, so dass K im folgendem Jahr 02 weiter Kleinunternehmer bleibt.

Fazit:
Natürlich ist eine gute Planung immer der beste Weg. In diesem Falle wird die Regelbesteuerung frühzeitig erkannt und kann in die Rechnungstellung mit einbezogen werden. Ist das Kind aber in den Brunnen gefallen, sollte unbedingt ein Blick auf die Regelung des § 19 Abs. 3 Nr. 1 UStG geworfen werden.