Umsatzsteuerbefreiung für Musiker


Jun 2017

Freiberufliche Musiker können sich in vielen Fällen von der zuständigen Landesbehörde bescheinigen lassen, dass sie die gleichen kulturellen Leistungen wie staatliche Kultureinrichtungen erbringen und damit die Voraussetzung für eine Umsatzsteuerbefreiung schaffen. Ausdrücklich werden in der einschlägigen Befreiungsvorschrift z.B. Orchester, Kammermusikensembles und Chöre genannt, vgl. § 4 Nr. 21 a) UStG.

Lange Zeit war umstritten, ob auch freiberufliche Musiker, die sich nicht als Orchester, Ensemble oder Chor organisiert hatten, von der Umsatzsteuer befreit werden könnten. Durch Urteil des EuGH‘ vom 03.04.2000, C-144/00 wurden diese Zweifel ausgeräumt. Der EuGH verwies auf die Mehrwertsteuersystemrichtlinie, die eine derartige Auslegung erforderlich mache, vgl. Art 132 Abs. 1 Ziff. n MwStSystRL. Mittlerweile wird daher auch die Finanzverwaltung angewiesen in derartigen Fällen eine Befreiung anzuerkennen, vgl. 4.20.2 UStAE.

Allerdings ist ein Befreiungsantrag nicht immer die beste Lösung, weil es bei Musikern zu sog. Vorsteuerüberhängen kommen kann. Musiker können oft den ermäßigten Steuersatz gelten machen, aber zum Regelsatz Vorsteuer ziehen.

Beispiel: 

Musiker A erzielt Gageneinnahmen in Höhe von 107.000,00 EUR inklusive Umsatzsteuer. Da es sich bei den Gagen um Eintrittsgelder für öffentliche Konzerte handelt, kann er den ermäßigen Steuersatz in Höhe von 7 % geltend machen, vgl. § 12 Abs. 2 Nr. 7 a) UStG. Es fallen also 7.000,00 EUR Umsatzsteuer an. 

Für die Konzerte belaufen sich die Ausgaben für Werbung, Equipment und Organisation auf 59.5000,00 EUR inklusive 19 % Umsatzsteuer. A kann also 9.500,00 EUR als Vorsteuer gegenrechnen. Da A nur 7.000,00 EUR Umsatzsteuerzahlen muss, aber 9.500,00 EUR Vorsteuer ziehen darf, muss das Finanzamt ihm 2.500,00 EUR überweisen (9.500,00 -7.000,00 EUR = 2.500,00 EUR). 

Allerdings ist zu beachten, dass das Finanzamt selbst gegen den Willen des Steuerpflichtigen einen eigenen Befreiungsantrag stellen kann, vgl. 4.21.5. UStAE. Im obigen Fall hätte das zur Folge, dass die 7.000,00 EUR Umsatzsteuer geschuldet werden, weil diese Beträge tatsächlich auf der Rechnung ausgewiesen wurden, vgl. § 14c UStG. Die Vorsteuer in Höhe von 9.500,00 EUR dürfte dann aber nicht gelten gemacht werden, weil alle Umsätze als umsatzsteuerfrei gelten würden. Denkbar wäre zwar eine Rechnungskorrektur. Hiermit ist aber immer ein Risiko verbunden.

In Hinblick auf die Umsatzsteuer sollten die Künstler sich für eine Strategie entscheiden, um nicht von den Folgen seiner Entscheidung überrumpelt zu werden. Daher ist es ratsam einen spezialisierten Berater einzuschalten.