Was ist eigentlich aus der pauschalen Margenbesteuerung geworden?


Mai 2017

Mit Wirkung zum 01.01.2014 wurde die Umsatzsteuersätze für den Kunsthandel auf Druck der Kommission in Brüssel reformiert. Dies hatte zur Folge, dass der Kunsthandel nicht mehr den ermäßigten Steuersatz von 7 % Umsatzsteuer ausweisen durfte. Auf Initiative des Bundesverbands deutsche Galerien und Kunsthändler wurde eine pauschale Margenbesteuerung vorgeschlagen, um die wirtschaftliche Belastung abzufedern. Die Idee war, dass nur 30 % des Verkaufspreises als Bemessungsgrenze für die Umsatzsteuer herangezogen werden solle. Gelabelt wurde die Idee mit dem Begriff „pauschale Margenbesteuerung“.

Beispiel: 

Der Galerist A verkauft ein Bild des Künstlers B für 10.000,00 EUR netto. Bemessungsgrundlage wären dann 30 % von 10.000,00 EUR = 3.000,00 EUR. Hierauf wäre die reguläre Umsatzsteuer von 19 % fällig, was zu einer Steuer von 570,00 EUR (3.000,00 EUR / 100 x 19) geführt hätte. 

Die gesetzliche Neuregelung hat zwar die pauschale Margenbesteuerung in § 25a UStG berücksichtigt. Allerdings wurde die Anwendbarkeit der Neuregelung sehr stark eingegrenzt. Die pauschale Margenbesteuerung kommt nur noch in Betracht, wenn der Kaufpreis nicht festgestellt werden kann oder unerheblich ist, vgl. § 25a Abs. 3 S. 2 UStG. Mit BMF-Schreiben vom 18.12.2014 zerstörte die Finanzverwaltung endgültig die breite Anwendbarkeit der pauschalen Margenbesteuerung.

Zum Tatbestandsmerkmal „nicht ermittelbar“ hieß es:

Aufgrund der besonderen Aufzeichnungspflichten bei Anwendung der Differenzbesteuerung kann die Nichtermittelbarkeit des Einkaufspreises nur der Ausnahmefall sein. Der Unternehmer muss nachweisen, dass er alle ihm zumutbaren Ermittlungsmöglichkeiten ausgeschöpft hat. Soweit dieser Nachweis nicht geführt werden kann, ist der Einkaufspreis im Rahmen einer sachgerechten Schätzung zu ermitteln, vgl. 25a.1 Abs. 11a Satz 5 ff. UStAE.

Zu dem Tatbestandsmerkmal „unbedeutend“ heißt es:

Als unbedeutend gilt ein Einkaufspreis, wenn er 500 EUR, vgl. 25a.1 Abs. 11a Satz 10 UStAE.

Fazit: 

Die Fälle, in den der Kaufpreis tatsächlich „nicht ermittelbar“ sein sollte, dürften sich auf einige seltene Konstellationen beschränken. Lediglich für den Verkauf von Werken unter 500 EUR kommt die pauschalen Margenbesteuerung in Betracht, weil hier der Kaufpreis als unbedeutend gilt. Allerdings dürfte der Verwaltungsaufwand hier die Begünstigung wiederum zu Nichte machen. Potentiale bietet diese Vorschrift meiner Meinung nach nur, wenn das Geschäftsmodell auf den Verkauf von Kunst unter 500,00 EUR ausgerichtet ist. Denkbar wäre dies z.B. im Bereich der Grafik.